Emotionales Essen verstehen und überwinden - Katrin Mehner - Heilpraktikerin für Psychotherapie

Mein (Heilungs-)weg

Viele Jahre konnte ich mein Gewicht nur über extreme Disziplin und starke Reglementierungen (Fasten, Sport, Abführmittel, kein Essen im Haus, …) mehr oder weniger halten. Aber irgendwann waren Kraft und Disziplin alle und ich nahm zu …

Am Schlimmsten war, dass ich mich von niemandem verstanden oder ernst genommen fühlte. Ich hatte den Eindruck, dass keiner meiner Freunde, Bekannten oder Kollegen nachvollziehen konnte, dass ich – auch mit nur mäßig erhöhtem Gewicht – einen unheimlichen Leidensdruck empfand und das es mich so unendlich viel Kraft kostete, mein Gewicht ansatzweise im Rahmen zu halten. Es fühlte sich an, als wäre ich mit mir im Kampf, von “Freiheit” keine Spur. Ich konnte nicht erklären, warum ich zu essen begann, obwohl ich überhaupt keinen Hunger hatte. Schlimmer noch, warum ich erst aufhörte, wenn mein ganzer Körper schmerzte. Weshalb dieser emotionale Hunger schier immer größer wurde. Und sich das Tag für Tag wiederholte …

Emotionales Essen verstehen und überwindenOft habe ich mir die Frage gestellt, warum ich alle Dinge im Leben diszipliniert umsetzen sowie meine beruflichen und privaten Ziele erreichen konnte, beim Essen jedoch das Gefühl hatte, zu versagen. Tagsüber bestimmten Perfektionismus und Leistung meinen Alltag … aber spätestens am Abend brauchte ich eine Menge an Essen. Wahllos, Hauptsache Essen. Warum konnte ich nicht einfach „normal und vernünftig essen“, wie andere Menschen auch? Aber da war dieser Automatismus, das Gefühl, fremdbestimmt zu sein – ich fühlte mich dem Essen hilflos ausgeliefert; es machte mir Angst. Mir waren nur die beiden Extreme “alles oder nichts” vertraut. “Dazwischen” gab es nichts.

Mein Gewicht schwankte +/- 20 Kilo. Lange habe ich nicht verstanden, was da mit mir passierte. Ich versuchte mein Essverhalten zu analysieren, aber ich konnte das “Warum?” nicht verstehen. Und weshalb passierten diese riesigen Ess- und Fressanfälle immer heimlich, wenn mich niemand beobachtete? Manchmal war ich am nächsten Tag gar nicht in der Lage aufzustehen, fühlte mich wie von einem Traktor überrollt.

Auf der Suche nach einem Ausweg aus unzähligen Diäten, Fastenkuren und Sportprogrammen bin ich vor über zehn Jahren auf Sehnsucht und Hunger aufmerksam geworden. Mir wurde schnell klar, dass dieser Weg „mein Weg“ ist und mit dem schrittweisen Auflösen meiner eigenen emotionalen Essproblematik (und der atypischen Bulimie) begann ich eine Forschungsreise zu mir selbst. 

Dann entdeckte ich Brainspotting, eine integrative und sehr behutsame Methode aus der Traumatherapie, mit welcher ich mich auch den Themen stellen konnte, die keinen unmittelbaren Bezug zum emotionalen Essen hatten. 

Nun kann ich schon seit einigen Jahren mein Essen wieder mit Leichtigkeit genießen, es macht mir keine Angst mehr. Eine Suchtverlagerung war zum Glück zur kurzfristig. Ich fühle mich frei und selbstbestimmt. Kopplungen haben sich gelöst, 18 kg sind weg und ohne regelmäßigen Sport oder irgendwelche reglementierenden Maßnahmen halte ich mein Gewicht. Selbstverletzendes Verhalten gibt es nicht mehr. Ich bin bei mir angekommen – für mich das schönste Gefühl der Welt.

Der Wechsel 2011 aus der Wirtschaft in den therapeutischen / traumatherapeutischen Bereich war für mich persönlich ein wichtiger Schritt.  

 

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